Eine arktische Kältewelle trifft den Süden der USA
Eine mächtige Luftmasse aus der Arktis hat den Süden der Vereinigten Staaten mit den tiefsten Temperaturen seit 35 Jahren überzogen. Für die Einheimischen ist das ein echter Schock – für die grünen Leguane Floridas jedoch eine unmittelbare Bedrohung fürs Überleben.
Florida steht normalerweise für Sonne, warmes Meer und milde Winter. Diesmal ist alles anders. Städte wie Tampa und St. Petersburg verzeichnen die kältesten Temperaturen seit 1989. Nachts sinkt das Thermometer gegen null, an mehreren Orten bildet sich Bodenfrost.
Meteorologen melden einen intensiven Kaltlufteinbruch vom nördlichen Kontinent. Dieser Vorstoß hat typisch kanadisches Wetter weit nach Süden gedrückt – bis in den als „Sunshine State“ bekannten Bundesstaat Florida. Für die Infrastruktur hält sich der Schaden in Grenzen, doch für exotische Tierarten ist die Lage deutlich ernster.
Diese Temperaturen stellen keinen absoluten Rekord für die USA dar, sind aber für Florida äußerst ungewöhnlich – was die heimische Tierwelt besonders anfällig macht. Wissenschaftler warnen, dass extreme Klimaschwankungen die Schwachstellen ganzer Ökosysteme offenlegen können, die rund um invasive Arten aufgebaut wurden.
Grüne Leguane können Kälte nicht vertragen und stürzen von Bäumen
Grüne Leguane, die heute in Florida in großer Zahl vorkommen, fühlen sich bei Temperaturen zwischen 25 und 28 Grad Celsius wohl. Nähert sich das Thermometer dem Gefrierpunkt, schaltet ihr Körper buchstäblich in den Notbetrieb. Als wechselwarme Tiere sind sie vollständig auf externe Wärmequellen angewiesen.
Bei einem plötzlichen Temperaturabfall passieren mehrere Dinge gleichzeitig. Das Herz verlangsamt sich, die Atmung wird schwerer, die Muskeln versagen – und der Leguan verliert den Halt am Ast. Der Körper erstarrt vollständig, das Tier wirkt tot, befindet sich aber möglicherweise nur in einem tiefen Kälteschock.
Das Ergebnis: Leguane fallen buchstäblich von den Bäumen, auf denen sie einen Großteil des Tages verbringen. Anwohner beschreiben Szenen wie aus einem Film – Dutzende großer, regloser Reptilien auf Straßen, Rasenflächen und unter Autos. Auf den ersten Blick wirken viele tot, doch ein Teil von ihnen durchlebt gerade einen intensiven Kälteschock, aus dem er sich noch erholen könnte.
Wenn ein „toter“ Leguan einfach nur gefroren ist
Lokale Tierschutzorganisationen berichten, Hunderte von Exemplaren einzusammeln – von offensichtlich verendeten Tieren bis zu kaum noch atmenden. Im Englischen nennt man diesen Zustand „cold-stunned“, also durch Kälte gelähmt. Experten erklären, dass der Körper des Reptils bei ausbleibenden körperlichen Verletzungen schlicht von den niedrigen Temperaturen „eingeschläfert“ wird.
In solchen Fällen genügt ein behutsames Aufwärmen, damit das Tier seine Bewegungsfähigkeit zurückerlangt. Die Methoden sind simpel: das Tier in einen Raum mit positiven Temperaturen bringen, mit einer Decke abdecken oder in einem beheizten Zimmer aufwärmen – niemals direkt an eine intensive Wärmequelle halten. Fachleute betonen, dass die Erholung langsam und schonend erfolgen muss.
Im Netz kursieren Fotos von Leguanen, die in den absurdesten Positionen erstarrt sind. Für Biologen ist das ein faszinierendes Beispiel dafür, wie ein Reptilienkörper auf Extrembedingungen reagiert. Für Normalbürger hingegen ist der Anblick erschreckend – die Tiere sehen schlicht leblos aus.
Was man auf keinen Fall tun sollte, wenn man einen gefrorenen Leguan findet
Wildtierexperten raten ausdrücklich davon ab, vorschnell zu handeln. Zu den häufigsten Fehlern zählen Verhaltensweisen, die dem Tier mehr schaden als nützen.
- Heißes Wasser über das Tier gießen
- Es an einen Heizkörper oder Ofen halten
- Erstarrte Gliedmaßen ziehen oder biegen
- Ohne Erfahrung einen großen Leguan in die Hand nehmen
- Einen Föhn oder eine andere direkte intensive Wärmequelle verwenden
- Versuchen, ein noch gefrorenes Tier zu füttern
- Es in einem überhitzten Auto transportieren
- Den Leguan unbeaufsichtigt in der Sonne liegen lassen
Diese Fehler können Verbrennungen, Knochenbrüche oder einen Abwehrangriff verursachen, wenn das Reptil plötzlich wieder zu sich kommt. Anwohner werden gebeten, im Zweifelsfall den lokalen Wildtierservice zu kontaktieren. Tierärzte warnen: Ein erwachender Leguan kann aggressiv reagieren, und sein Schwanz sowie seine Zähne stellen eine echte Gefahr dar.
Eine invasive Art, die Florida längst erobert hat
Grüne Leguane sind in Florida keine einheimischen Tiere. Sie wurden in den 1960er-Jahren vor allem über den Handel mit Exoten eingeführt. Einige entkamen aus der Gefangenschaft, andere wurden absichtlich freigelassen, weil ihre Besitzer das große Reptil nicht länger zu Hause halten konnten.
Das günstige Klima und das Fehlen natürlicher Fressfeinde ermöglichten eine rasante Ausbreitung der Population. Heute schädigen Leguane die Bepflanzung in Gärten und Parks, graben Tunnel unter Fundamente und Dämme – was Strukturen gefährdet – und verdrängen einheimische Reptilien- und Vogelarten. Aus naturkundlicher Sicht handelt es sich eindeutig um eine invasive Art, deren Population längst viel zu groß geworden ist.
Trotz des winterlichen „Ausdünnens“ zeigen Langzeitdaten, dass nachfolgende Generationen von Leguanen Verluste schnell wieder ausgleichen. Biologen der University of Florida beobachten die Population seit mehreren Jahrzehnten und bestätigen ein kontinuierliches Wachstum. Das Institute for Invasive Species Research hat das Vorkommen grüner Leguane in allen Teilen der Halbinsel nachgewiesen.
Analysen früherer Kältewellen in Florida zeigen: Intensive Kälteperioden reduzieren die Leguanzahl vorübergehend, stoppen die Ausbreitung der Art aber nicht. Wissenschaftler, die in Publikationen wie National Geographic und Scientific American zitiert werden, vergleichen die aktuelle Situation mit dem starken Kälteeinbruch von 2010.
Was die Daten der Vorjahre zeigen: Kälte stoppt Leguane nicht dauerhaft
Auch damals verbreiteten Medien Bilder von erstarrten Reptilien auf Gehwegen und in Parks. Wenige Jahre später war die Population wieder genauso groß wie zuvor. Die Schlussfolgerung ist eindeutig: Ein kurzer, harter Winter kann die Leguandichte im laufenden Jahr senken, ändert aber nichts an der langfristigen Entwicklung.
Die Art ist demografisch widerstandsfähig, weil sie sich schnell fortpflanzt und milde Jahreszeiten zur Ausbreitung nutzt. Forscher der Florida Fish and Wildlife Conservation Commission überwachen die Fortpflanzungszyklen und haben festgestellt, dass Weibchen bis zu 70 Eier pro Jahr legen. Dieses Reproduktionstempo kompensiert jeden klimabedingten Verlust.
Doch die Leguane sind nicht das einzige betroffene Tier. Die arktische Luftmasse beeinflusst das Ökosystem auf breiter Front. Niedrige Temperaturen treffen Wasservögel, Fische in flachen Gewässern und andere Reptilien, die ebenfalls auf Umgebungswärme angewiesen sind. Gleichzeitig berichten Medien vom Gefrieren von Teilen des Niagara, wo Eis die Wasserfälle in eine spektakuläre Kristallhülle verwandelt.
Warum Reptilien plötzliche Kälte so schlecht verkraften
Bei Leguanen läuft alles auf Physiologie hinaus. Ein wechselwarmes Tier produziert keine eigene Körperwärme in dem Maße, wie es ein Säugetier tut. Kühlt die Umgebung abrupt ab, bleibt dem Reptil keine Zeit zur Anpassung – besonders wenn es das ganze Jahr über unter optimalen Temperaturbedingungen gelebt hat.
Das Beispiel Florida zeigt, wie schmal die Grenze zwischen einer scheinbar idealen ökologischen Nische und lebensbedrohlichen Bedingungen sein kann. Für die Bewohner ist es ein bizarres, fast surreales Schauspiel. Für Wissenschaftler ist es eine wertvolle Lektion darüber, wie schnell Extremsituationen die Fragilität ganzer Ökosysteme offenbaren können, die auf „importierten“ Arten aufgebaut wurden.
All das wirft konkrete Fragen über die Zukunft dieser Populationen auf. Sollten ähnliche Kältewellen in den kommenden Jahren häufiger auftreten, könnte sich die Naturlandschaft Floridas schrittweise verändern. Manche invasiven Arten werden verschwinden, anpassungsfähigere werden ihren Platz einnehmen. Für den normalen Bürger wird das womöglich daran erkennbar sein, wie viele Leguane noch auf dem Rasen vor dem Haus sitzen. Für Forscher hingegen erzählen es die Statistiken – die mit wachsender Präzision festhalten, wie extreme Wetterereignisse die natürlichen Gleichgewichte in den wärmsten Bundesstaaten der USA neu schreiben.









