Dieses Land ist eine Ausnahme – es braucht keine Lebensmittelimporte aus dem Ausland

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  • Eine Analyse der Produktionskapazitäten von 186 Staaten ergab, dass mehr als ein Drittel davon höchstens zwei der sieben wichtigsten Lebensmittelkategorien abdecken kann.
  • Die Gemüseproduktion bleibt ein strukturelles Problem der globalen Landwirtschaft – lediglich 24 Prozent der untersuchten Märkte erreichen in dieser Kategorie die Selbstversorgung.
  • Viele nationale Versorgungssysteme sind von einem einzigen dominanten Handelspartner abhängig, was ihre Verwundbarkeit bei plötzlichen Lieferkrisen erheblich erhöht.

Nur ein einziges Land der Welt ist vollständig lebensmittelselbstversorgend

Eine in der Fachzeitschrift Nature Food veröffentlichte Studie von Forschern der Universität Göttingen und der Universität Edinburgh hat die Resilienz von insgesamt 186 Staaten bewertet. Das Team unter der Leitung von Dr. Jonas Stehl analysierte nationale Märkte anhand von sieben Lebensmittelgruppen, die in den Ernährungsempfehlungen von WWF Livewell definiert sind. Die Ergebnisse wurden 2025 der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die untersuchten Kategorien umfassen:

  • Obst,
  • Gemüse,
  • Milchprodukte,
  • Fisch,
  • Fleisch,
  • Hülsenfrüchte,
  • Nüsse und Samen,
  • stärkehaltige Lebensmittel.

Das einzige Land der Welt, das in allen Lebensmittelkategorien vollständig selbstversorgend ist, ist Guyana. Dieser südamerikanische Staat hat rund 850.000 Einwohner. Die Ernährungssicherheit Guyanas beruht auf gezielten staatlichen Investitionen, durch die die heimischen Ausgaben für die Landwirtschaft um nahezu 470 Prozent gestiegen sind.

Die guyanische Regierung hat die für den heimischen Mais- und Sojaanbau genutzte Fläche verdreifacht – von 4.047 Hektar auf 12.141 Hektar – und konnte damit Futtermittelimporte aus dem Ausland vollständig eliminieren.

Unmittelbar hinter dem Spitzenreiter folgen China und Vietnam, die den Bedarf ihrer Bevölkerung in sechs Lebensmittelkategorien decken.

Nur jedes siebte Land erreicht Nahrungsmittelunabhängigkeit in mindestens fünf Kategorien. Mehr als ein Drittel der untersuchten Staaten – vorwiegend afrikanische Länder – schafft es, höchstens zwei Bereiche abzudecken.

Eine vollständige Abhängigkeit von externen Lieferungen, also ein Ergebnis von 0, wurde für folgende Märkte festgestellt:

  • Afghanistan,
  • Vereinigte Arabische Emirate,
  • Irak,
  • Macau,
  • Katar,
  • Jemen.

Wie viele Länder produzieren genug Gemüse?

Die Studie legt tiefgreifende Ungleichgewichte in der weltweiten Agrarproduktion offen. Bis zu 65 Prozent der Staaten verzeichnen Überschüsse im Fleisch- und Milchsektor. Das gravierendste Problem bleibt die Produktion von frischem Gemüse – lediglich 44 Länder, also 24 Prozent der erfassten Märkte, erfüllen die Selbstversorgungskriterien in dieser Kategorie.

Die Zahl der Staaten, die ihre eigene Bevölkerung in den einzelnen Bereichen ernähren können, variiert erheblich.

Das detaillierte Bild, das die Forscher erarbeitet haben, zeigt:

  • 120 selbstversorgende Märkte im Fleischsektor,
  • 88 selbstversorgende Märkte im Obstsektor,
  • 87 selbstversorgende Märkte im Milchsektor,
  • 85 selbstversorgende Märkte im Bereich Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen,
  • 84 selbstversorgende Märkte im Bereich stärkehaltiger Lebensmittel,
  • 47 selbstversorgende Märkte im Fischsektor.

Die Importabhängigkeit betrifft auch wohlhabende europäische Länder. Deutschland etwa produziert im Inland nur 35 Prozent der empfohlenen Gemüsemenge.

Das Vereinigte Königreich kauft Produkte aus fünf Kategorien im Ausland ein und erreicht Selbstversorgung ausschließlich bei Fleisch und Milchprodukten. Keine Wirtschaftsgruppe gewährleistet Unabhängigkeit in mindestens der Hälfte der analysierten Kategorien.

Warum ist landwirtschaftliche Selbstversorgung so schwer zu erreichen?

Zahlreiche Staaten stützen ihre Versorgung auf einen einzigen Handelspartner, der mehr als 50 Prozent der importierten Waren liefert. Ein typisches Beispiel ist Mittelamerika, das stärkehaltige Lebensmittel aus den USA bezieht.

Dr. Jonas Stehl, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Göttingen, betonte die Risiken einer solchen Handelsstruktur:

Eine starke Abhängigkeit von Importen aus einzelnen Ländern kann Nationen vollständig schutzlos machen.

Gleichzeitig warnt der Forscher davor, vollständige Selbstversorgung als grundsätzlich erstrebenswert zu betrachten.

Dr. Jonas Stehl erläuterte die Ursachen dieser Situation:

Eine niedrige Selbstversorgungsrate ist nicht per se negativ. Es gibt legitime und oft vorteilhafte Gründe, warum ein Land möglicherweise nicht den Großteil der benötigten Lebensmittel selbst produziert.

Die wichtigsten Hindernisse für eine lokale Produktion sind natürlicher Natur:

  • mangelnde Niederschläge,
  • schlechte Bodenqualität,
  • instabile Temperaturbedingungen.

In vielen Fällen ist Importieren günstiger als der heimische Anbau. Es gibt jedoch Krisensituationen, in denen das Fehlen eigener Produktionskapazitäten die Bevölkerung besonders hart trifft. Dazu bemerkte Dr. Stehl:

Ein niedriges Selbstversorgungsniveau kann jedoch die Fähigkeit eines Landes einschränken, auf plötzliche globale Versorgungsschocks zu reagieren – sei es durch Dürren, Kriege oder Exportverbote.

Das wachsende Interesse an produktiver Souveränität steht in direktem Zusammenhang mit dem aktuellen weltpolitischen Klima. Dr. Stehl schloss mit dem Hinweis, dass das wiedererwachte Interesse an nationaler Ernährungssouveränität tiefgreifendere politische Veränderungen widerspiegeln kann – darunter zunehmenden Nationalismus und den Versuch mancher Länder, ihre Abhängigkeit von ausländischen Partnern zu verringern.

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