Der Rhabarber-Trick für die Vorfrühlingsernte: die einfache Methode für süßere Stangen

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Rhabarber im März – zart, rosa und überraschend süß

Weicher, kräftig rosa gefärbter und erstaunlich süßer Rhabarber bereits im März? Das klingt nach Wunschdenken, ist aber eine bewährte Gartentechnik, die auf der natürlichen Reaktion der Pflanze auf Lichtmangel basiert. Eine uralte Methode, die in Gärten quer durch Europa eine echte Renaissance erlebt.

Dieser Kniff, der vor allem in alten Bauerngärten weitergegeben wurde, lässt den Rhabarber deutlich früher als üblich austreiben – mit langen, zarten Stielen und einem wesentlich angenehmeren Geschmack. Das Beste daran: Es braucht keinerlei Spezialausrüstung. Ein einfacher undurchsichtiger Kunststoffeimer oder ein alter Keramiktopf reicht vollkommen aus.

Das Prinzip hinter der Dunkelkammermethod beim Rhabarber

Der Grundgedanke ist verblüffend schlicht: Man entzieht der Pflanze für einige Wochen das Licht – genau dann, wenn sie nach dem Winter aus ihrem Schlaf erwacht. Normalerweise wächst Rhabarber über die Photosynthese, bei der die Blätter Sonnenlicht in Energie umwandeln. Fehlt das Licht plötzlich, ändert die Pflanze ihre Strategie grundlegend.

Im Dunkeln greift der Rhabarber auf die Reserven im fleischigen Rhizom zurück, wächst schneller, und die Stiele werden länger, zarter und weniger sauer. Gleichzeitig wandelt sich die im Rhizom gespeicherte Stärke in Zucker um – der Geschmack verschiebt sich spürbar von aggressiver Säure hin zu angenehmer Süße.

Gartenbauwissenschaftler erläutern, dass die Pflanze in dieser Situation ähnlich wie bei der Samenkeimung funktioniert: Sie verbrennt ihre Nährstoffreserven deutlich schneller als beim normalen Wachstum. Das Ergebnis sind Stiele mit einer völlig anderen Struktur und chemischen Zusammensetzung als solche, die im vollen Sonnenlicht gewachsen sind.

Die Technik schadet der Pflanze nicht, sofern man sie mit Bedacht einsetzt und den Rhabarber nicht zu lange abgedeckt lässt. Das Geheimnis liegt im richtigen Timing und in der anschließenden Erholungsphase, die durch das Entfernen der Abdeckung nach der Ernte sichergestellt wird.

Warum sich der Versuch lohnt: Geschmack, Farbe und Frühstart

Getriebener Rhabarber unterscheidet sich deutlich von seiner normalen, im Freien gewachsenen Variante. Die Unterschiede fallen sowohl beim Anblick als auch beim ersten Bissen sofort auf.

  • Zartere Konsistenz – weniger Fasern, weiche und brüchige Stiele, die sich schon nach kurzer Garzeit wunderbar eignen
  • Milderes Aroma – ausgeprägte Säure und Bitterkeit nehmen deutlich ab und machen einer natürlichen Süße Platz
  • Wunderschöne Farbe – die Stiele nehmen meist ein kräftiges Rosa-Rot an, das für beeindruckende Desserts wie gemacht ist
  • Vorgezogene Ernte – der Rhabarber steht mehrere Wochen vor dem normalen Saisonbeginn zur Verfügung

Gewöhnlich wird Rhabarber von April bis Juni geerntet. Später steigt der Calciumoxalatgehalt in den Stielen auf ein Niveau, das sie für den Verzehr ungeeignet macht. Das Treiben ermöglicht einen früheren Saisonstart und eine längere Nutzung der Pflanze, während die riskante Phase später Ernten vermieden wird.

Experten aus Yorkshire in England, wo diese Methode traditionell für den kommerziellen Anbau der sogenannten Forced Rhubarb eingesetzt wird, belegen, dass die so gewonnenen Stiele bis zu einem Drittel weniger Oxalsäure enthalten. Das bedeutet nicht nur besseren Geschmack, sondern auch ein geringeres Risiko für die Nieren bei regelmäßigem Verzehr.

Was in der Pflanze während des Treibens vorgeht

Sobald man den Rhabarberstock mit einem undurchsichtigen Behälter abdeckt, hört die Pflanze auf, ihre Blätter als kleine Kraftwerke zu nutzen. Sie beginnt stattdessen, von ihren eigenen Vorräten zu zehren. Das Rhizom ist ein regelrechtes Nährstoffdepot, das während der gesamten Vorsaison angelegt wurde – im Dunkeln verbraucht die Pflanze es für rasantes Stielwachstum.

Die entstehenden Blätter bleiben blass, während sich die Stiele strecken und saftig werden. Das Fehlen intensiver Lichteinstrahlung bremst die Einlagerung von Fasern und Säuren in dem Maße, wie es bei direkter Sonneneinstrahlung geschieht. Getriebener Rhabarber ist keine andere Sorte – es ist dieselbe Pflanze, die durch vorübergehende Dunkelheit und eine geringfügig erhöhte Wurzeltemperatur zu einem anderen Wachstumsmodus veranlasst wird.

Botaniker der Universität Edinburgh haben in Analysen festgestellt, dass abgedeckte Pflanzen in den ersten drei Wochen nach dem Erwachen eine bis zu doppelt so hohe Wachstumsgeschwindigkeit zeigen. Der Stoffwechsel läuft auf Hochtouren, und die Stiele enthalten mehr Wasser, was sie saftiger, aber auch zerbrechlicher macht.

Entscheidend ist, dass dieser Prozess nicht zu lange andauert. Bliebe der Rhabarber die gesamte Saison über abgedeckt, würde das Rhizom vollständig erschöpft und die Pflanze könnte absterben. Den richtigen Zeitplan einzuhalten und der Pflanze nach der Ernte ausreichend Erholungszeit zu gönnen, ist daher absolut unerlässlich.

Alternativen zur klassischen Treibglocke aus dem Fachhandel

In traditionellen Gärten werden charakteristische hohe Terrakottagefäße über dem Rhabarberstock platziert. Im Gartenfachhandel sind diese jedoch recht teuer, weshalb viele Hobbygärtner auf das zurückgreifen, was sie bereits zuhause haben.

Günstige Alternativen zur professionellen Abdeckung:

  • Ein großer Keramiktopf ohne Loch, umgedreht aufgestellt
  • Ein schwarzer Kunststofftopf mit zugeklebten Abzugslöchern
  • Ein Maurereimer oder Farbeimer
  • Ein sauberes kleines Kunststofffass
  • Ein Gartenkorb aus Metall, innen mit einem dicken schwarzen Vlies ausgekleidet
  • Ein alter Emaille-Topf oder eine Gießkanne ohne Boden
  • Eine Holzkiste, innen mit wasserdichter schwarzer Folie ausgeschlagen

Die einzige Bedingung: Der Behälter muss die Pflanze vollständig abdunkeln und hoch genug sein, damit sich die Stiele ungehindert strecken können. Im Inneren dieser improvisierten „Kuppel“ ist es im Frühjahr etwas wärmer als draußen, was den Austrieb zusätzlich beschleunigt. Die ideale Höhe der Abdeckung beträgt mindestens vierzig Zentimeter, besser fünfzig bis sechzig.

Schritt für Schritt: So treibt man Rhabarber im eigenen Garten

Der ideale Zeitpunkt liegt am Ende des Winters oder im frühen Vorfrühling, wenn der Boden aufzutauen beginnt, die Blätter aber noch kaum ausgetrieben haben. Die Pflanze befindet sich dann noch im Ruhezustand oder erwacht gerade erst aus den Knospen.

Setzt man die Abdeckung zu früh bei starkem Frost, bleibt die Wirkung gering – die Pflanze verharrt im Winterschlaf. Wartet man hingegen zu lang, ist bereits ein Teil der Energie in normale grüne Blätter geflossen statt in die langen, hellen Stiele. In der Regel sollte man drei bis fünf Wochen nach dem Aufsetzen der Abdeckung mit der Ernte der ersten Triebe von etwa zwanzig bis dreißig Zentimetern Länge rechnen.

Vor dem Abdecken lohnt es sich, den Bodenzustand zu prüfen: Er sollte feucht, aber nicht durchweicht sein. Fachleute empfehlen, bereits im Herbst rund um den Stock eine Schicht reifen Kompost oder gut verrotteten Mist einzuarbeiten, damit die Pflanze beim beschleunigten Wachstum ausreichend Nährstoffe zur Verfügung hat.

Das Aufstellen der Abdeckung ist denkbar einfach: Den Behälter direkt über der Mitte des Stocks platzieren und leicht in die Erde drücken, damit kein Licht von unten eindringt. Bei einem Kunststoffeimer kann man ihn mit ein paar Steinen beschweren, damit er bei Wind nicht davonfliegt.

Richtig ernten, ohne die Pflanze zu schwächen

Das Treiben zehrt erheblich an den Reserven im Rhizom. Es lohnt sich daher, die Stiele mit Bedacht zu ernten, damit sich die Pflanze nach der Saison gut erholen kann.

Sichere Ernteregeln:

  • Stiele an der Basis fassen und mit einer sanften Drehbewegung herausziehen, anstatt sie mit einem Messer abzuschneiden
  • Den Stock nicht völlig kahl ernten – einige Triebe stehen lassen, damit sich die Pflanze zügig regenerieren kann
  • Nach der Frühernete die Abdeckung entfernen, damit die Blätter sich normal entfalten und die Nährstoffreserven wieder auffüllen können
  • Nie mehr als die Hälfte der Stiele auf einmal entnehmen
  • Den allgemeinen Zustand der Pflanze im Blick behalten – wirkt sie schwach, die Ernte sofort stoppen

Eine auf diese Weise behandelte Pflanze wird später in der Saison weiterhin die klassischeren, etwas säuerlicheren Stiele produzieren – wenn auch in leicht geringerer Menge als in einer Saison ohne Treiben. Experten betonen, dass der Rhabarber mindestens einen Monat ungestörtes Wachstum mit vollem Lichtzugang benötigt, um seine verbrauchten Reserven wieder aufzubauen.

Nach dem Entfernen der Abdeckung empfiehlt sich eine Düngung mit flüssigem Dünger oder reifem Kompost. Rhabarber schätzt Stickstoff, Kalium und Phosphor in ausgewogenem Verhältnis. Ein spezieller Gemüsedünger oder natürliche Alternativen wie Brennnesseljauche sind hervorragend geeignet.

Worauf man beim Rhabarber-Treiben achten sollte

Die Methode ist unkompliziert, doch bestimmte Fehler wiederholen sich immer wieder. Abgedeckter Rhabarber bevorzugt feuchten, aber keinen staunassen Boden. Bei schweren, wasserundurchlässigen Böden könnte das Rhizom unter der dichten Abdeckung anfangen zu faulen.

Auf leichteren Böden lohnt es sich, bereits im Herbst reichlich Kompost einzuarbeiten, damit die Pflanze auf ausreichend Energie zurückgreifen kann. Ein weiteres Risiko ist eine zu lange Abdeckzeit: Haben die Stiele die richtige Länge erreicht und ist der Behälter noch immer drüber, beginnen sie sich zu verbiegen, brechen und verlieren an Qualität.

Besser eine kurze, intensive Treibphase als das Experiment bis an die Grenzen der Pflanzenbelastbarkeit auszudehnen. Eine weitere Tücke kann die falsche Lage des Stocks sein – Rhabarber sollte an einem gut drainierten Standort stehen, fernab von Senken, in denen Kaltluft stagniert. In frostgefährdeten Mulden könnte das Treiben ergebnislos bleiben.

Manche Gärtner berichten von Nagerproblemen, da Mäuse und Co. den warmen, dunklen Hohlraum unter der Abdeckung gerne als Unterschlupf nutzen. Dem lässt sich mit einem Drahtgitter unter dem Behälter oder mit abwehrenden Kräutern wie Minze oder Lavendel rund um den Stock vorbeugen.

Früher Rhabarber in der Küche clever einsetzen

Dieser zarte Frühjahrsrhabarber eignet sich etwas anders als die spätere, festere Variante. Das mildere Aroma bedeutet, dass man in Kuchen oder Marmeladen deutlich weniger Zucker braucht. Er passt hervorragend zu:

  • Rhabarber-Crumble mit Vanille
  • Schnellen Kompotten, die kaum zusätzliche Süßung benötigen
  • Leichten Marmeladen mit Orange oder Ingwer
  • Im Ganzen im Ofen gebacken, mit einem Schuss Honig und Butter

Die weichen Stiele zerfallen beim Kochen leicht und eignen sich daher ideal für glatte Pürees und Dessert-Saucen. Auch in herzhaften Gerichten machen sie eine gute Figur – als süß-saurer Akzent zu fetteren Fleischgerichten oder überbackenem Käse.

Köche in verschiedenen Restaurants setzen getriebenen Rhabarber in Frühlingssalaten mit Ziegenkäse und Walnüssen ein. Dünne rohe Stielscheiben verleihen dem Gericht eine erfrischende Note ohne übermäßige Schärfe. Eine weitere beliebte Variante ist in Butter mit Zucker und Kardamom geschmorter Rhabarber, serviert zu Vanillepudding.

Treiben anderer Pflanzen? Mit Vorsicht – nicht alle reagieren gleich

Die Grundtechnik – Lichtentzug kombiniert mit leicht erhöhter Temperatur – verleitet dazu, sie breiter anzuwenden. Einige andere mehrjährige Gemüsepflanzen, wie bestimmte Chicorée-Sorten, die gezielt für sogenannte gebleichte Köpfe angebaut werden, vertragen sie gut. Bei vielen Arten würde eine solche Behandlung jedoch das Gegenteil bewirken: die Pflanze schwächen, ohne nennenswerten Ertrag zu liefern.

Rhabarber ist hier eine erfreuliche Ausnahme. Er besitzt ein kräftiges, fleischiges Rhizom und kann eine einmalige intensive Saisontreibung gut verkraften. Dennoch gilt ein wichtiger Grundsatz: Denselben Stock nicht jedes Jahr mit voller Intensität treiben.

Zur Sicherheit sollte man der Pflanze gelegentlich eine Pause von dieser Methode gönnen oder sie im Wechsel auf verschiedenen Exemplaren im Garten anwenden. Gärtner aus dem Norden Englands, wo das Rhabarber-Treiben eine tief verwurzelte Tradition hat, empfehlen eine klare Rotation – ein Jahr treiben, das nächste Jahr normal wachsen lassen.

Eine weitere Pflanze, die eine ähnliche Methode teilweise toleriert, ist die Belgische Endivie. Sie wird sogar ausschließlich im Dunkeln angebaut, um kompakte, weiße und bitterarme Blätter zu erzeugen. Für Tomaten, Paprika oder Kräuter hingegen würde eine Verdunkelung zu einem vollständigen Misserfolg führen.

Lohnt es sich, diese Technik auch in künftigen Jahren auszuprobieren? Absolut – vorausgesetzt, man hat einen gesunden, kräftigen Stock und hält sich an die grundlegenden Pflegeregeln. Die so gewonnenen Stiele haben eine besondere Qualität, die im Handel so gut wie nicht zu finden ist, und erweitern die Verwendungsmöglichkeiten von Rhabarber in der Küche weit über die klassischen säuerlichen Kompotte hinaus.

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