Ergänzungsfütterung von Fleischkälbern auf der Weide – wann bringt Kraftfutter den größten Nutzen?

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  • Getreidemehle und Eiweißkomponenten ergänzen Muttermilch und Weidegras auf wirkungsvolle Weise.
  • Die besten Ergebnisse der Zufütterung zeigen sich auf ertragsarmen Weiden und bei Kühen mit geringer Milchleistung.
  • Kälber, die frühzeitig an Kraftfutter gewöhnt werden, überstehen das Absetzen deutlich stressfreier und stellen sich schneller auf die neue Futterration um.
  • Ein gut konstruierter Selbstfütterer sollte ausschließlich für Kälber zugänglich sein und das Futter zuverlässig vor Witterungseinflüssen schützen.

Zunächst stellt sich eine grundlegende Frage: Ist eine Zufütterung überhaupt nötig? Die Antwort darauf ist alles andere als eindeutig. Aus rein physiologischer Sicht besteht keine zwingende Notwendigkeit. Fleischkälber, die gemeinsam mit ihren Müttern auf der Weide stehen, haben rund um die Uhr Zugang zur wichtigsten Nahrungsquelle – der Muttermilch. Mit zunehmendem Alter lernen sie außerdem, feste Nahrung aufzunehmen, in diesem Fall frisches Weidegras.

Keine Notwendigkeit, aber oft lohnend

Genau an diesem Punkt kommt die wirtschaftliche Überlegung ins Spiel, die eine Kraftfutterergänzung für Jungtiere rechtfertigen kann. Energiekomponenten – also Getreidemehle oder geschrotete Körner – harmonieren hervorragend mit der proteinhaltigen Muttermilch und dem Weidegras und verbessern dadurch die Gesamtnährstoffversorgung der Kälber spürbar.

Die Zufütterung in Gegenwart der Mütter, ergänzt um Eiweißkomponenten wie Raps- oder Sojaschrot, Pressrückstände oder geschrotete Erbsen, kann bei Fleischkälbern zu hervorragenden Zunahmen führen.

In der Praxis lässt sich Kraftfutter bereits ab dem ersten Lebensmonat anbieten, jedoch ist eine wirklich messbare Aufnahme erst zwischen dem zweiten und dritten Lebensmonat zu beobachten. Mit wachsendem Alter der Tiere und dem schrittweisen Rückgang des Milchanteils an der Nährstoffversorgung gewinnt die Zufütterung zunehmend an Bedeutung. Den größten Effekt entfaltet diese Fütterungsform typischerweise in der zweiten Hälfte der Aufzuchtperiode, etwa zwei bis drei Monate vor dem Absetzen.

Voraussetzungen für gute Ergebnisse der Zufütterung

Forschungsergebnisse belegen eindeutig, dass die Zufütterung von Fleischkälbern auf der Weide das Absetzgewicht steigert. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt jedoch vor allem von der Weidequalität – also der botanischen Zusammensetzung des Pflanzenbestands – sowie von den Witterungsbedingungen ab.

Auf nährstoffarmen Weiden, auf denen häufig auch die Milchleistung der Kühe geringer ausfällt, kann die Kälberzufütterung entscheidend dafür sein, ein hohes Wachstumstempo aufrechtzuerhalten und zufriedenstellende Tageszunahmen zu erzielen.

Umgekehrt gilt: Bei hochwertiger Weidevegetation verringert sich der Zunahmeunterschied zwischen zugefütterten und nicht zugefütterten Kälbern erheblich.

Studien zeigen, dass für jeden zusätzlichen Kilogramm Zuwachs auf ertragsarmen Weiden etwa 5 kg Kraftfutter benötigt werden, während es auf erstklassigen Weiden bis zu 17 kg Kraftfutter sein können.

Weniger Stress beim Absetzen – schnellere Anpassung

Die Forschungslage macht deutlich, dass die Wirksamkeit der Kälberzufütterung von zahlreichen Faktoren abhängt und die Ergebnisse nicht in jeder Situation befriedigend sind.

Es gibt jedoch ein weiteres überzeugendes Argument für die frühzeitige Einführung von Kraftfutter in die Ernährung von Fleischkälbern: Der Nutzen lässt sich nicht allein in Kilogramm Zuwachs messen. Kälber, die bereits vor dem Absetzen regelmäßig Kraftfutter aufnehmen, kommen mit dem Absetzstress deutlich besser zurecht. Zudem steigern sie ihre Kraftfutteraufnahme nach dem Absetzen schneller – genau dann, wenn ihr Nährstoffbedarf wächst.

Wie richtet man Selbstfütterer auf der Weide richtig ein?

Die Zufütterung von Jungtieren unter Weidebedingungen bringt auch logistische Anforderungen mit sich. Da Kraftfutter im Selbstfütterer dauerhaft verfügbar sein sollte, ist ein ausreichender Schutz vor Witterungseinflüssen – insbesondere vor Feuchtigkeit – unbedingt erforderlich. Außerdem muss die Umzäunung so gestaltet sein, dass ausschließlich die Kälber Zugang haben.

Um das Befüllen zu erleichtern, sollte der Vorratsbehälter eine Kapazität und Abmessungen aufweisen, die ein bequemes Nachfüllen ermöglichen – dabei kann man sich an der Schaufelgröße des Frontladers oder Radladers orientieren.

Ebenso wichtig ist ein störungsfreier Futterdurchlauf. Dieser wird durch die trichterförmige (dreieckige) Querschnittsform des Behälters gewährleistet, der in eine Fressbucht mündet, aus der die Kälber fressen.

Die Umzäunung sollte über eine ausreichende Anzahl von Öffnungen mit einstellbarer Breite verfügen – abgestimmt auf die Tierzahl –, damit die Durchlassgröße dem Wachstum der Kälber angepasst und gleichzeitig der Zugang für Kühe verhindert werden kann.

Bei der Wahl des passenden Selbstfütterers für einen bestimmten Betrieb spielt auch die Art des Umtriebs zwischen den Weiden eine wichtige Rolle. Hier gibt es so viele Lösungen wie es Betriebe gibt: Der Selbstfütterer kann mit dem Frontlader transportiert, auf Rädern mit einem Traktor gezogen oder sogar mit einem Pkw bewegt werden.

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